Antimonit – die Blüte des Amon

Auf dem Umschlag dieses Notizbuches sind zwei Antimonit-Kristalle abgebildet. Die Struktur des Kristalls ist durch einen Hochglanz-UV-Lack hervorgehoben.
Das Mineral Antimonit (Sb2S3, Antimonium crudum, Antimontrisulfid, Stibium sulfuratum nigrum, Stibnit, Grauspießglanz) wird seit dem Altertum auf vielfältige Weise verwendet.
Seinem strahlenförmigen Wachstum verdankt Antimonit vermutlich seinen Namen, der aus dem altgriechisch-ägyptischen Bereich kommt: Anthos Ammonos, die Blüte des Amun.
Antimonit schmilzt bereits in der Streichholzflamme, wobei die Flamme blau gefärbt wird. Das ausgeschmolzene Antimonit kann zu einem dunklen Pulver zerstoßen werden, das bereits 3000 v.Chr. in China, Babylon und später auch Ägypten als Lidschatten oder Lidstrich verwendet wurde. Gleichzeitig sollte es vor Insekten und übertragbaren Augenkrankheiten schützen. Möglicherweise hat sich auch Kleopatra mit Antimonitpulver geschminkt.
In der antiken Medizin ebenso wie in den mystischen Konzepten der frühen europäischen Heilkunde, nach denen auch Paracelsus (1493-1541) seine Behandlungskonzepte aufbaute, wurde Antimonit als Brech- und Reinigungsmittel eingesetzt. Antimon ist allerdings hochgiftig, deshalb wurde sein Einsatz vielerorts schon den Schülern des Paracelsus verboten. Verwendung findet Antimonit bis heute mit großer Vorsicht in extrem verdünnter (= hoch potenzierter) Form in der antroposophischen und homöopathischen Medizin: Der Antimonit-Typ ist nach Hahnefeld der „schöpferische Chaot“.
Antimonit wurde bereits 3000 v.Chr. als Beischmelze zu Kupfer verwendet, um Bronze herzustellen. Von den Alchemisten der frühen Neuzeit wurde es in der Goldschmelze eingesetzt und erhielt, weil das Gold in der Schmelze vorübergehend verschwand, die Bezeichnung „Wolf der Metalle“. Italienische Bergleute des 19. Jahrhunderts bezeichneten Antimonit als „minerale diabolo“.
In Gemälden Tilman Riemenschneiders lässt sich Antimonit als Farbpigment nachweisen.
Heute wird Antimonit bei der Herstellung von Getriebestahl und in der Halbleiterindustrie eingesetzt.